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In irgendeiner Form haben sich diese Frage die meisten Menschen schon einmal gestellt. Die gute Nachricht ist, dass es eine Antwort darauf gibt. Nur leider ist sie nicht so eindeutig, wie es wünschenswert wäre. Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf das Thema werfen.

Um unbegründete Annahmen, persönliche Voreingenommenheit und voreilige Schlussfolgerungen zu vermeiden, sollten wir uns einem System zuwenden, das sich an Fakten hält und sich selbst korrigiert, wenn neue Beobachtungen auftauchen: die Forschungsmethode.

Die Wissenschaft hat geflüstert

Schon in prähistorischen Zeiten züchtete der Mensch Tiere nicht nur für körperliche Eigenschaften wie Kraft oder mehr Fleisch, sondern auch für Verhaltensmerkmale wie Fügsamkeit oder Aggressivität - man denke an Haushunde oder Kampfhähne. Das russische Experiment zur Domestizierung des Silberfuchses untersucht diesen Prozess seit 1959 in Echtzeit. Innerhalb erstaunlich weniger Generationen wurde aus einem wilden Tier etwas, das so zahm und folgsam ist wie ein Schoßhund - und sogar so aussieht. All dies deutet auf einen Zusammenhang zwischen erblicher Veranlagung und Verhalten und Charakter hin.

Seit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2003 hat die Wissenschaft enorme Fortschritte gemacht, was den Einfluss der Gene auf die Persönlichkeit angeht. Unsere DNS, gewissermassen die menschliche Bauanleitung, enthält mehr als drei Milliarden Nukleotidpaare. Diese bestimmen nicht nur die Farbe Ihrer Augen oder die Form Ihrer Nase, sondern sie spielen auch eine Rolle dabei, wie extrovertiert Sie sind oder ob Sie Brokkoli mögen oder nicht. Studien haben Zusammenhänge zwischen genetischen Faktoren und depressiven Störungen, Intelligenz und sogar dem Bildungsniveau festgestellt.

Und trotzdem ist der größte Teil unseres Genoms noch immer nicht vollständig erforscht, und nicht alle bisher gewonnenen Erkenntnisse sind schlüssig. Die Verhaltensgenetik steckt im Grunde noch in den Kinderschuhen. Einig sind sich die Wissenschaftler jedoch darin, dass die Gene nicht allein die Persönlichkeit prägen Es sind auch andere Kräfte im Spiel.

Anlage und Umwelt

Äußere Faktoren wie die regionalen und sozialen Umstände Ihrer Kindheit, die Erziehungsmethoden Ihrer Eltern, Ihre Schulbildung, Ernährung, traumatische Ereignisse und Erfahrungen spielen eine ebenso große Rolle bei der Entwicklung Ihrer Persönlichkeit wie Ihre genetische Veranlagung, wenn nicht sogar eine größere.

Wenn Genetiker einen Zusammenhang zwischen einem Gen und einer bestimmten Eigenschaft, Schwäche oder Begabung feststellen, wird das Ergebnis nie als ein absoluter Wert angegeben, sondern als gegenüber Menschen ohne das Gen erhöhte Wahrscheinlichkeit, die besagte Eigenschaft, Schwäche oder Begabung zu entwickeln. Ihre Persönlichkeit ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Möglichkeiten und Umständen. Sie wird nicht bei der Empfängnis in Stein gemeißelt.

Darüber hinaus kann sich Ihre Persönlichkeit im Laufe Ihres Lebens verändern. Dies geht aus einer Studie hervor, in der die Entwicklung grundlegender Charaktereigenschaften, der so genannten Big Five, untersucht wurde (mit dem Big-Five-Test von TerraYou können Sie Ihre eigene Persönlichkeit ermitteln).

Was sagt uns das?

Wissenschaftler warnen davor, die Ergebnisse der Genforschung zu überinterpretieren, da man damit ein Wespennest aufreißen könnte, das von falschen Schlussfolgerungen bis zu politischem Missbrauch reicht. Sie sollten diese Warnung beherzigen und Ihren Erbanlagen nicht zu viel Bedeutung beimessen. Wenn Sie den Genotyp "TT" für das Gen TAS2R38 haben, werden Sie wahrscheinlich niemals Brokkoli mögen, aber das bedeutet nicht, dass Sie kein guter Koch sein können!

Eine andere Sichtweise ist das Konzept der Emergenz: So wie eine Stadt mehr ist als die Summe ihrer Gebäude, sind auch Sie mehr als die Summe Ihrer Teile. Ihre Persönlichkeit lässt sich nicht in die Aminosäuren zerlegen, aus denen Ihre DNS besteht. Selbst eineiige Zwillinge, die den gleichen genetischen Code haben, sind einzigartige Individuen.

Ist Ihre Persönlichkeit also vererbt? Ja. Teilweise. Und nein. Teilweise. Wichtig ist, dass Sie sich vor Augen halten, dass Sie kein Sklave Ihrer Gene sind: Schwächen können bewältigt, Grenzen überwunden und Stärken weiter entwickelt werden. Lernen Sie sich selbst kennen und entfalten Sie Ihr Potenzial - Ihre Gene funktionieren auch, ohne dass Sie sich um sie sorgen müssen.