Woraus besteht unser Gehirn?
Bevor wir uns mit der Neuroplastizität befassen, werfen wir einen genaueren Blick auf das Gehirn selbst.
Das Gehirn ist ein komplexes, facettenreiches Organ, das das Gedächtnis, das Denken, den Tastsinn, die motorischen Fähigkeiten und jeden Prozess steuert, der den Körper reguliert. In den folgenden Abschnitten werden wir die grundlegende Zusammensetzung des Gehirns erläutern, insbesondere die graue Substanz und die weiße Substanz, die notwendig sind, um zu verstehen, wie Neuronen und ihre Synapsen funktionieren. Dies wird die Grundlage für unseren Exkurs über Neuroplastizität bilden.
Graue Substanz, weiße Substanz und neuronale Verbindungen
Die graue Substanz, die aus runden neutralen Zellkörper, den sogenannten Neuronen-Somata besteht, bildet den dunkleren Teil der äußeren Schicht des Gehirns. Ihre Hauptfunktion besteht darin, neue Informationen zu verarbeiten und zu interpretieren.
Neuronen-Somata bezeichnen den Körper von Neuronen, die miteinander über elektrische und chemische Signale kommunizieren. Synapsen (oder „synaptische Verbindungen“) sind die Punkte, an denen Neuronen miteinander verbunden sind. Die Informationen, die über diesen Prozess übertragen werden, werden an das Nervensystem gesendet, was es uns ermöglicht, unsere Körper auf verschiedene Weisen zu steuern.
Die weiße Substanz liegt tiefer im Gehirn und überträgt ebendiese Informationen an den Rest des zentralen Nervensystems, schließt dadurch den Prozess ab und bestimmt somit, wie diese Informationen vom restlichen Körper aufgenommen werden.
Stellen Sie sich die graue Substanz des Gehirns als das Steuerzentrum des Gehirns vor. Die Befehle, die wir ihm geben, sei es bewusst, wie das Umblättern einer Seite in einem Buch, oder unbewusst, wie das Atmen oder das Erleben von Schmerz, werden hier entwickelt. Diese Befehle werden vom restlichen Körper empfangen und dank der weißen Substanz in die Tat umgesetzt.
Die Menge an Informationen, die wir gleichzeitig verarbeiten können, entspricht der Größe der grauen Substanz in unserem Gehirn. Wenn sie in bestimmten Bereichen größer ist, wie wir unten in einer Studie über Londoner Taxifahrer erklären werden, können wir mehr Informationen verarbeiten.
Unsere weiße Substanz kann dann größere Mengen an Informationen effizienter interpretieren, wenn die Neuronen und Synapsen stärkere Verbindungen haben. Das bedeutet, dass wir die grundlegenden Informationen speichern, wie beispielsweise das Fahrradfahren, und somit Platz für komplexere Informationen schaffen, wie die Verbesserung unserer Stabilität auf dem Fahrrad oder das Erlernen von Tricks. Dies ist Neuroplastizität.

Was ist Neuroplastizität?
Die früheste Erwähnung des Begriffs „Plastizität“ im Zusammenhang mit Verhalten stammt aus dem Jahr 1890 von William James in einer psychologischen Zeitschrift. Er war der Meinung, dass die Entwicklung des Gehirns im Erwachsenenalter nicht aufhört, aber sein Vorschlag wurde von anderen Experten weitgehend ignoriert.
James’ Vorschlag stieß auf Widerstand, weil das vorherrschende Denken unter Fachleuten bis in die 1970er Jahre davon ausging, dass die Gehirnentwicklung ab einem bestimmten Punkt fixiert und unveränderlich ist. James’ frühe Erwähnung der Plastizität inspirierte jedoch andere Wissenschaftler, zu seiner Theorie beizutragen, wodurch sich das vorherrschende Denken zur Gehirnentwicklung langsam veränderte.
Neuroplastizität (auch Gehirnplastizität oder neuronale Plastizität genannt) ist eine Form der Anpassung. Strukturelle und funktionelle Veränderungen werden im Gehirn als Reaktion auf „intrinsische oder extrinsische Reize“ vorgenommen, die das Gehirn dazu veranlassen, seine Struktur, Funktionen und Verbindungen der Neuronen neu zu organisieren. Diese Neuronen sind die graue Substanz an der äußeren Oberfläche des Gehirns.
Eine der frühesten Studien zur Neuroplastizität wurde Anfang der 2000er Jahre an Taxifahrern in London durchgeführt. Aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung und ihres angesammelten Wissens über den Stadtplan zeigten Gehirnscans eine erhöhte Menge an grauer Substanz im hinteren Hippocampus, während sie im vorderen Hippocampus verringert war.
Was dies nahelegte, war, dass räumliches Wissen mit der grauen Substanz im Hippocampus verbunden ist, da dieses Gebiet an Größe zunahm. Dies ermöglichte es den Wissenschaftlern, besser zu verstehen, wie räumliches Wissen im Gehirn erworben wird. Im Gegensatz dazu haben wir die Londoner Busfahrer, die regelmäßig auf festen Routen fuhren. Bei ihnen konnte das Wachstum der grauen Substanz nicht nachgewiesen werden.

Obwohl es wahr ist, dass sich unser Gehirn während unseres gesamten Lebens weiter verändert und entwickelt, ist die aktivste Entwicklungsphase in der Kindheit. Im Alter von 2 bis 10 Jahren erleben wir ein massiv schnelles Wachstum von Neuronen und Synapsen, da wir eine enorme Menge an neuen, externen Informationen aufnehmen.
Synaptische Beschneidung
Um die Neuroplastizität und die Fähigkeit des Gehirns zur Selbstorganisation zu verstehen, müssen wir uns auch den Prozess der sogenannten synaptischen „Beschneidung“ genauer angucken. Dieser Prozess wird auch „Pruning“ oder Synapseneliminierung bezeichnet.
Während der frühen Kindheitsjahre des Gehirnwachstums wachsen Neuronen und Synapsen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40.000 neuen Synapsen pro Sekunde, wobei der Großteil davon vor dem Alter von fünf Jahren geschieht. Unsere externen Reize und Umgebungen bestimmen, welche Synapsen wachsen und sich verstärken, was wiederum bedeutet, dass die anderen schwächer werden und verblassen.

Die Verarbeitung visueller Informationen sowie Sprechen und Gehen sind Dinge, die Erwachsene tun, ohne nachzudenken. Für ein Kind erfordern diese Aktivitäten konzentrierte Anstrengung, was bedeutet, dass die Neuronen und Synapsen, die zur Unterstützung dieser Tätigkeiten gebildet werden, sich verstärken und Vorrang vor anderen haben.
Kinder, die mehr als eine Sprache zu Hause sprechen, entwickeln viele starke neuronale Verbindungen im Zusammenhang mit der Sprachverarbeitung. Wenn man dieses Kind jedoch in jungen Jahren aus einer mehrsprachigen Umgebung herausnimmt, werden seine mehrsprachigen Fähigkeiten schwinden. Da das Kind keine anderen Sprachen mehr zur Kommunikation benötigt, wird sich sein sich schnell entwickelndes Gehirn auf andere Bereiche konzentrieren.
Arten der Neuroplastizität
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es verschiedene Arten der Neuroplastizität gibt, die zeigen, wie sich das Gehirn neu strukturieren kann.
Strukturelle Neuroplastizität
Strukturelle Neuroplastizität kann als die Fähigkeit des Gehirns verstanden werden, die Verbindungen zwischen Neuronen zu verändern. Wenn eine Person eine neue Fähigkeit erlernt, werden neue Verbindungen im Gehirn hergestellt, sodass die Informationen weitergeleitet und verarbeitet werden können. Diese Verbindungen werden in der grauen Substanz geschaffen und an die weiße Substanz gesendet, damit das zentrale Nervensystem die Fähigkeit einsetzen kann.
Wenn Sie beispielsweise zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand nehmen, wissen Sie kaum, was Sie damit tun sollen. Sechs Monate später, nachdem Sie intensiv gelernt und jeden Tag geübt haben, werden Sie auf neue Erfahrungen zurückgreifen können. Die strukturelle Neuroplastizität ist dafür verantwortlich, dass Tausende von neuronalen Verbindungen geschaffen wurden, die es Ihnen erleichtern, Ihre Lernergebnisse erfolgreich fortzusetzen. Sie haben damit Ihr Gehirn verändert.
Funktionelle Neuroplastizität
Die funktionelle Neuroplastizität ist besonders relevant bei der Rehabilitation nach Hirnverletzungen. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit des Körpers, Funktionen umzuleiten oder die Informationsverarbeitung auf andere Teile des Gehirns umzulenken.
Wenn Sie zum Beispiel Ihren Arm nach einer Fraktur oder einem Knochenbruch in einer Schlinge halten, werden Sie auf Ihren gesunden Arm angewiesen sein, um zu kompensieren. Sie werden feststellen, dass Sie lernen, Ihren gegenüberliegenden Arm bewusster und gezielter zu nutzen. Die funktionelle Neuroplastizität hilft, mehr Informationen als üblich an diesen Teil des Gehirns umzuleiten, weil das Gehirn erkennt, dass dieser Ausgleich notwendig ist.
Ein häufiger Mythos der Neuroplastizität
Einige Forschungen legen nahe, dass die Verwendung der nicht-dominanten Hand zur Verbesserung der Neuroplastizität beiträgt. Die Idee dahinter ist, dass, wenn Sie Rechtshänder sind und gelegentlich mit der gegenüberliegenden Hand Ihre Zähne putzen oder lernen, mit der linken Hand zu schreiben, dies die Verbindungen zwischen den rechten und linken Gehirnhälften stärkt.
Es klingt plausibel, aber eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte etwas anderes. 22 rechtshändige Erwachsene nahmen an einem zehn Tage dauernden Zeichenkurs teil, bei dem sie ihre linke Hand benutzten. Sie unterzogen sich Gehirnscans vor und nach der Durchführung der Aufgabe. Während die Teilnehmer eine verbesserte Fähigkeit im Schreiben mit ihrer nicht-dominanten Hand zeigten, gab es keine sichtbare Veränderung in der Kreuzfunktionalität zwischen den Hemisphären, die zu etwas anderem als der spezifischen Aufgabe beigetragen hätte.
Neuroplastizität und Verletzungen
Die Genesung nach Verletzungen zeigt einen der bemerkenswertesten Aspekte der Neuroplastizität und die Fähigkeit des Gehirns, sich an Veränderungen anzupassen.
Neuroplastizität ist entscheidend, wenn alltägliche Funktionen verloren gehen oder beeinträchtigt werden. Körperliche Traumata wie Kopfverletzungen und Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfälle, Tumore und Infektionen veranlassen das Gehirn, Neuroplastizität einzusetzen, da sie ihm ermöglichen, verbleibende Funktionen zu retten und neue Funktionen zu entwickeln.
Die Physiotherapie ist in der Neurorehabilitation durch Neuroplastizität unerlässlich und zeigt die faszinierende Fähigkeit des Gehirns, zuvor erlernte Fähigkeiten nach schweren Schäden wiederzuerlangen.
Dies sind einige der Hauptwege, auf denen Neuroplastizität eine Rolle in der physischen und kognitiven Genesung spielt:
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Veränderung der Dendriten: Dendriten sind verästelte Ausläufer des Zellkörpers einer Nervenzelle und somit die Kontaktstelle zu Zellen oder anderen Neuronen. Diese können ihre Länge und Muster verändern, wenn Verbindungen durchtrennt wurden. Kürzere Ausstülpungen und modifizierte Muster ermöglichen es dem Gehirn, einen Teil des Funktionsverlusts zu retten.
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Unmittelbare neuroplastische Veränderungen: Diese zellulären und synaptischen Veränderungen treten kurz nach einer Gehirnverletzung auf und verändern den Informationsfluss im Gehirn, um weitere negative Auswirkungen dort zu vermeiden, wo das Gehirn den meisten Schaden erlitten hat.
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Adaptive Handlung vs. maladaptive Anpassung: Während der Erholungsphase kann weiterer Schaden am Gehirn entstehen, wenn die beschädigten Bereiche weiterhin genutzt werden. In Reaktion darauf lenkt das Gehirn in seiner adaptiven Handlung Aktivitäten in weniger betroffene oder gar nicht betroffene Bereiche. Eine maladaptive Anpassung kann auftreten, wenn diese kompensatorische Handlung die Heilung der betroffenen Bereiche verhindert und zu irreversiblen Schäden führt.

Neuroplastizität und Rehabilitation
Eine vollständige Rehabilitation erfordert bewusste Anstrengung. Neuroplastizität schafft die Bedingungen, unter denen Rehabilitation möglich ist, während weiterer Schaden minimiert wird, aber das, was danach kommt, ist die kognitive und physische Rehabilitation.
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Kognitive Rehabilitation: Fachkräfte im Gesundheitswesen empfehlen verschiedene Aktivitäten zur Unterstützung der kognitiven Rehabilitation, einschließlich das Lösen kniffliger Übungen, gedächtnisfördernder Spiele, lautem Lesen von Texten zur besseren Informationsaufnahme sowie Sprachtherapieübungen.
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Physische Rehabilitation: Neuroplastizität spielt hier eine Rolle, indem sie den Patienten hilft, beschädigte Körperteile wieder zu benutzen. Sobald eine Verletzung einen negativen Einfluss auf einen Körperteil hatte, muss die ursprünglich ausgeübte Funktion schrittweise durch körperliche Übungen mit Therapiebändern und Trainingsgeräten in intensiven Sitzungen mit Fachkräften im Gesundheitswesen wieder routiniert werden.

Wir Menschen erleben für gewöhnlich ab dem 70. Lebensjahr einen schrittweisen Rückgang unserer kognitiven und physischen Leistung. Auch dies lässt sich auf Neuroplastizität zurückführen.
Wissenschaftler erforschen immer noch, wie genau und mit welcher Geschwindigkeit dies geschieht. Der kognitive Rückgang hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, und es wurde beobachtet, dass das Altern sogar zu einigen kognitiven Verbesserungen führen kann.
Mit zunehmendem Alter schrumpfen bestimmte Teile des Gehirns. Der Blutfluss nimmt ab, die Kommunikation zwischen den Neuronen verlangsamt sich, und Entzündungen — ein häufiges Vorkommnis nach einer Verletzung oder dem Auftreten einer Krankheit — können intensiver und schädlicher sein als zu Zeiten, als das Gehirn jünger war.
Dies sind einige der Funktionen, die bei älteren Erwachsenen häufig von der Regression betroffen sind:
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Denkgeschwindigkeit
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Fähigkeit, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten
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Fähigkeit, Multitasking zu betreiben
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Informationsspeicherung
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Fähigkeit, die richtigen Worte zu finden
Wie Neuroplastizität auf das Altern reagiert
Ähnlich wie bei Verletzungen hilft die Neuroplastizität dem Gehirn, sich an seine neuen Bedingungen im Alter anzupassen. Funktionelle und strukturelle Neuroplastizität kommen ins Spiel, wenn unser Gehirn schrumpft und der Blutfluss zum Gehirn abnimmt.
Das alternde Gehirn ist jedoch immer noch in der Lage, neue Fähigkeiten zu erlernen und neue Informationen aufzunehmen. Das kontinuierliche Lernen im Alter hat tiefgreifende positive Auswirkungen auf die körperliche, geistige und emotionale Gesundheit, wie wir im Abschnitt über die Vorteile des Trainings Ihrer Neuroplastizität zeigen werden. Das Training Ihrer Gehirnplastizität ist entscheidend, besonders im Alter.

In den verbleibenden Abschnitten des Artikels werden wir einige wissenschaftlich bewiesene Methoden zur Optimierung und Aufrechterhaltung Ihrer Neuroplastizität besprechen.
Vorteile des Trainings Ihrer Gehirnplastizität
Die MIT-Neuwissenschaftlerin und Autorin Dr. Tara Stewart sagt folgendes über Plastizität und Lernen: „Stellen Sie es sich vor, als würde man von einer Schotterstraße auf eine Autobahn wechseln. Ich könnte sagen: ‚Ich werde an diesem Weg arbeiten, der derzeit eine Schotterstraße ist. Je mehr ich ihn benutze und je mehr Aktivitäten ich wiederhole, desto mehr kann ich ihn zu einer Autobahn ausbauen.‘“
Neuroplastizität sollte sowohl erhalten als auch verbessert werden, selbst im gesunden Gehirn. Das bedeutet, die Fähigkeiten, die Sie bereits haben, zu bewahren und sich Zeit zu nehmen, neue zu erlernen.
Wenn Sie aktiv daran arbeiten, Ihre Neuroplastizität zu verbessern und Ihre „Autobahnen“ auszubauen, werden Sie eine Reihe von Verbesserungen Ihrer allgemeinen Gesundheit und Ihres täglichen Lebens feststellen.
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Leichter Neues lernen. Karrierewechsel, Umzüge in neue Länder und das Erlernen neuer Fähigkeiten werden viel einfacher, da Ihr Gehirn daran gewöhnt ist, sich neu zu verkabeln, um schnell neue Dinge zu erlernen.
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Schnellere Heilung nach Verletzungen. Neurologisch gesehen ist die Genesung nach einer Verletzung eine Fähigkeit. Wenn Informationen vom beschädigten Bereich abgeleitet und umgeleitet werden, hilft es, wenn Sie bereits gesunde neuronale Verbindungen haben, da diese anderen Bereiche an neue Herausforderungen gewöhnt sind, wodurch Ihre Genesung schneller verläuft. Wenn Sie bereits gut im Lernen sind, werden Sie die Vorteile sehen, wenn Sie etwas neu erlernen müssen.
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Verbesserte allgemeine Lebenszufriedenheit. In unserem Gehirn schafft Lernen eine positive Verstärkungs-Schleife. Das Glückshormon Dopamin spielt eine wichtige Rolle beim Lernen, da es freigesetzt wird, wenn wir etwas meistern oder ein Problem lösen, was eine konditionierte Reaktion auslöst. Je mehr wir lernen, desto mehr unterstützt uns unsere Neuroplastizität, wodurch es einfacher wird, diese Dopaminbelohnungen zu erhalten und unsere allgemeine Lebenszufriedenheit zu steigern.
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Verhindern und Verzögern der kognitiven Regression durch Alterung oder Krankheit. Gesunde neuronale Verbindungen verfallen nicht so schnell. Wenn Sie Ihr Gehirn regelmäßig trainiert und gesund gehalten haben, verläuft der altersbedingte kognitive Rückgang langsamer, weil Sie Ihr Gehirn in gutem Zustand gehalten haben. Aus dem gleichen Grund bietet es auch einen guten Schutz vor der Entwicklung degenerativer Krankheiten wie Alzheimer.

Wege, Ihre Gehirnplastizität zu verbessern
Lassen Sie uns einige Tipps zur Verbesserung Ihrer Gehirnplastizität durchgehen. Sie werden feststellen, dass es einfacher ist als gedacht, aber das Wichtigste ist, es so oft wie möglich zu praktizieren.
Lernen Sie ein Musikinstrument
Wissenschaftler haben durch Gehirnscanning-Technologien wie fMRT-Maschinen festgestellt, dass die Gehirne von Musikern bemerkenswerte Unterschiede zu denen von Nicht-Musikern aufweisen. Dies gilt besonders für Erwachsene, die als Kinder mit dem Musizieren begonnen haben.
Diese Unterschiede werden durch eine erhöhte graue Substanz in motorischen, auditiven und visuellen Hirnregionen beobachtet. Diese tragen dazu bei, die neuronalen Bahnen zu aktivieren, die für eine gesunde Neuroplastizität notwendig sind.
Lernen Sie eine Sprache
Das Gehirn hat ein spezielles Sprachzentrum, in dem sprachspezifische Informationen verarbeitet werden. Das Erlernen einer Sprache verändert synaptische Verbindungen in diesen Bereichen, wodurch die Sprachrezeptoren mehr Informationen verarbeiten können.
Die Dinge, die wir tun, wenn wir eine Sprache lernen, wie aktiv Radio und Podcasts hören, mit anderen sprechen und Sprachspiele in Apps spielen, stärken alle die Bahnen, die mit der Spracherkennung in unserem Gehirn verbunden sind.
Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und treiben Sie regelmäßig Sport
Der Verzehr von Nahrungsmitteln, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind, nährt das Gehirn und schützt es vor dem sogenannten „oxidativen Stress“. Dies ist der Abfall, der von Ihrem Gehirn produziert wird, wenn es mehr Sauerstoff produzieren muss, um eine Ernährung zu verwalten, die stark von verarbeiteten und raffinierten Lebensmitteln geprägt ist.
Regelmäßiger Sport, insbesondere Herz-Kreislauf-Übungen, fördert die Vermehrung von Neuronen, unterstützt das Wachstum von wichtigen Blutgefäßen und verbessert insgesamt die Geschwindigkeit und das Volumen des Sauerstoffs, der durch das Gehirn transportiert wird.
Diese Bedingungen für Ihr Gehirn zu schaffen, verbessert das Lernen und das Gedächtnis, was es einfacher macht, neue Fähigkeiten zu erlernen und die Plastizität zu steigern. Die Vorteile einer verbesserten Ernährung und mehr Bewegung sind nahezu sofort spürbar.

Gönnen Sie sich guten Schlaf
Während ein guter Schlafrhythmus und ausreichende Ruhe viele Vorteile für die geistige, emotionale und körperliche Gesundheit bieten, gibt es auch direkte Verbindungen zur Neuroplastizität, die erwähnenswert sind.
Wissenschaftler haben schädliche Auswirkungen auf die Gehirnplastizität aufgrund von Schlafmangel auf molekularer und elektrophysiologischer Ebene beobachtet. Sie haben außerdem festgestellt, dass für Patienten, die an degenerativen Krankheiten leiden oder sich von Gehirnverletzungen erholen, eine gute Schlafhygiene sowohl den Rückgang verlangsamen als auch die Genesung beschleunigen kann.
Während des Schlafs durchläuft unser Gehirn eine „synaptische Renormalisierung“, bei der die synaptische Stärke auf ein nachhaltiges Energieniveau wiederhergestellt wird. Das Gehirn priorisiert Gedächtnis und Leistungssteigerung, und die Neuroplastizität „lädt“ sich während des Schlafs auf, sodass Sie morgen erfrischt weitermachen können.
Jeden Tag zur gleichen Zeit aufzuwachen, Bildschirme vor dem Schlafengehen zu vermeiden, mehrere Stunden vor dem Schlafengehen zu Abend zu essen und regelmäßig Sport zu treiben, sind einige Möglichkeiten, um Ihren Schlaf zu verbessern.
Kognitive Verhaltenstherapie im Alltag praktizieren
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) wird umgangssprachlich als „Neuverdrahtung des Gehirns“ beschrieben und genutzt, um die geistige Gesundheit zu verbessern. Besonders hilfreich ist diese Therapie bei Angststörungen. Sie zielt darauf ab, den Patienten beizubringen, negative Denkmuster in Frage zu stellen und sie zu ändern, um die emotionale Regulierung zu verbessern.
Diese negativen Denkmuster können neuronale Bahnen bilden, die durch wiederholtes negatives Denken gestärkt werden, weshalb KVT so vorteilhaft ist. Es lenkt diese negativen Denkmuster physisch um und verhindert, dass sie sich weiter verstärken und zu unserem Unglück beitragen.
KVT ist ein weites Forschungsfeld und lässt sich aufgrund der Komplexität in diesem Artikel nicht vollständig zusammenfassen. In Bezug auf Neuroplastizität jedoch lehrt es unserem Gehirn, anders zu denken und auf eine Weise, die uns zugutekommt. Indem wir weiterhin negative Denkmuster aufdecken und unsere Perspektiven erweitern, bilden wir gesündere neuronale Verbindungen, die insgesamt zu einer besseren Lebenserfahrung führen und uns mit gesünderer Neuroplastizität belohnen.
Fazit
Die Neuroplastizität ist eine faszinierende Fähigkeit unseres Gehirns und ein äußerst komplexes Thema, das Wissenschaftler weiterhin intensiv erforschen. Mit solch tiefgreifenden Auswirkungen auf die Genesung nach Verletzungen, das Erlernen neuer Fähigkeiten und das Verlangsamen der Auswirkungen des Alterns ist es lohnenswert, mehr darüber zu erfahren. Wenn Sie verstanden haben, wie die neuronale Plastizität funktioniert und was Sie tun können, um Ihre Gehirnleistung zu verbessern und zu erhalten, können Sie Ihrer Gesundheit langfristig etwas Gutes tun.

