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Harmonie

FÜNF JAPANISCHE KONZEPTE FÜR EIN GUTES LEBEN

Ein japanischer Garten mit Steinwegen und Laternen symbolisiert Achtsamkeit und Ruhe
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Wussten Sie, dass die Japaner eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung haben? Ihr gesunder Lebensstil und ihre positive Denkweise spielen dabei besonders wichtige Rollen. In der japanischen Kultur und deren Weisheiten wird bekanntlich sehr viel Wert darauf gelegt, sich selbst zu finden, und ein frohes, möglichst sorgenfreies Leben zu führen.

Diese Weisheiten werden nun auch in unserer westlichen Welt immer beliebter, und japanische Lebensphilosophien und Konzepte werden in zahlreichen Dokumentarfilmen und Büchern empfohlen. Da man bei all den verschiedenen Theorien leicht die Übersicht verliert, haben wir für Sie fünf Konzepte für eine optimale Lebensbereicherung ausgewählt:

  1. Mono no aware

  2. Wabi-Sabi

  3. Mottainai

  4. Kaizen

  5. Ikigai

Sehen wir uns diese Begriffe einmal genauer an, um herausfinden, wie die Konzepte im Alltag angewandt werden können um Harmonie, Akzeptanz und Erfüllung in unser Leben einzuführen.

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1. Mono no aware

Mono no aware lehrt uns, die Vergänglichkeit des Lebens zu schätzen und fordert uns täglich auf, die Dinge so zu akzeptieren und anzunehmen, wie sie sind.

Was ist mono no aware?

Oft als „das Pathos der Dinge“ oder „Empathie für Sachen“ übersetzt, geht es bei mono no aware um den bewussten Umgang mit der Vergänglichkeit. „Mono“ bedeutet „Dinge“ und „aware“ kann als „Gefühl“ übersetzt werden.

Mit mono no aware zu leben bedeutet, das Vergängliche zu akzeptieren und die Schönheit im Flüchtigen zu erkennen. Statt einer kompletten Lebensstiländerung wird von uns nur gefordert, weniger Kontrolle über Menschen und Situationen auszuüben. Dadurch lernen wir, alles so zu akzeptieren, wie es kommt und geht.

Entscheidend für mono no aware ist die Annahme unserer Gefühle, auch derer, gegen die wir lieber ankämpfen würden als sie zu spüren. Trauer und Verlust wahrzunehmen, heißt den Moment zu leben, und auch diese Art Achtsamkeit ist Teil von mono no aware.

Ein Sonnenuntergang über Kirschblüten repräsentiert die Vergänglichkeit und Schönheit des Lebens
Mono no Aware lehrt uns, die Vergänglichkeit zu akzeptieren und flüchtige Momente zu schätzen

Mono no aware praktizieren

Es wird empfohlen, einen Gegenstand in Ihrer Nähe (idealerweise etwas von persönlicher Bedeutung) in die Hand zu nehmen und zu halten. Spüren Sie das Material, bemerken Sie das Gewicht, fühlen Sie die Oberfläche. Fragen Sie sich wie dieser Gegenstand überhaupt zu Ihnen gelangt ist – was musste alles geschehen, dass er entstanden ist? Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der Sie zwar nicht mehr existieren, der Gegenstand aber weiterhin besteht. Halten Sie kurz mit diesen Gedanken inne.

Diese Art der Achtsamkeit können wir auch in unseren Alltag einführen, beispielsweise bei einem Spaziergang: Betrachten Sie die Wolken am Himmel, wie sie sich stets ändern und nie die exakt gleiche Form behalten. Schauen Sie einem Eichhörnchen beim Bäume klettern zu, wie es sorglos und von Ihren persönlichen Problemen nichts ahnend vor sich hinlebt. Hören Sie beim nächsten Gespräch auf die einzigartige Stimme des Sprechers, eine Stimme, die sonst keiner auf der Welt hat.

2. Wabi-Sabi

Wabi-Sabi ist die Kunst, das Schöne im Unvollkommenen zu finden, ähnlich wie bei Kintsugi, welches wir auch weiter unten erläutern.

Was ist Wabi-Sabi?

Wabi-Sabi besteht aus einer Kombination zweier japanischer Konzepte, dem „wabi“, was so viel wie „unterdrückte Schönheit“ bedeutet, und „sabi“ was als „rustikale Patina“ übersetzt werden kann. Diese Kombination aus Schönheit und Imperfektion verknüpft die Grundidee von Wabi-Sabi: nichts ist für immer, nichts ist je fertig, und nichts ist perfekt.

Ähnlich wie bei mono no aware ist die Vergänglichkeit ein großes Thema, jedoch setzt sich Wabi-Sabi eher mit Äußerlichkeiten auseinander. Als ästhetisches Konzept der japanischen Antike definiert Wabi-Sabi seit Jahrhunderten die Erscheinung und den künstlerischen Charakter von Gegenständen.

Wabi-Sabi Teeschalen sind ein praktisches Beispiel dieser Philosophie, aufgrund ihrer asymmetrischen Formen, unterschiedlichen Verfärbungen und unregelmäßigen Muster. Diese Schalen werden in Japan bei Teezeremonien in einem sogenannten „schlichten“ Umfeld verwendet, um Tee zu servieren. Risse auf der Oberfläche, Farbkratzer und alte Reparaturspuren werden alle als Teil der Ästhetik und Zeremonie angenommen.

Wabi-Sabi Teeschalen sind ein praktisches Beispiel dieser Philosophie, aufgrund ihrer asymmetrischen Formen, unterschiedlichen Verfärbungen und unregelmäßigen Muster. Diese Schalen werden in Japan bei Teezeremonien in einem sogenannten „schlichten“ Umfeld verwendet, um Tee zu servieren. Risse auf der Oberfläche, Farbkratzer und alte Reparaturspuren werden alle als Teil der Ästhetik und Zeremonie angenommen.

Eine unförmige, rustikale japanische Teeschale dient als Sinnbild für Wabi-Sabi
Wabi-Sabi dient als Erinnerung, das Schöne im Unvollkommenen und in der Einfachheit zu finden

Wabi-Sabi und kintsugi

Wortwörtlich als „Goldflicken“ übersetzbar, wird bei kintsugi eine Mischung aus goldfarbigem Pulver und Lack verwendet, um zerbrochene Keramik zu reparieren. Die heilen Gegenstände sind am Ende mit wunderschön goldenen Narben verziert. Diese Imperfektionen tragen zu der einzigartigen Erscheinung der Objekte bei; sie verwandeln sich in etwas komplett Neues.

Wie bei Wabi-Sabi lernen wir dadurch, dass zerbrochene oder beschädigte Sachen nicht gleich nutzlos sind, sondern als verändert und mit dem Potenzial für Erneuerung betrachtet werden können. Reparatur bedeutet nicht, dass ein Gegenstand an Wert verliert, sondern hilft ihm, sich zu etwas Neuem zu entwickeln.

Wabi-Sabi praktizieren

Um Wabi-Sabi anzuwenden, können wir zu Beginn das Konzept der „Imperfektion“ mit anderen Augen betrachten. In unserer Arbeit, bei unseren Hobbies, bei unserem Aussehen, können wir uns fragen: Strebe ich nach unerreichbarer Perfektion, indem ich jeden Fehler, den ich mache, kritisiere? Sind das überhaupt wirklich Fehler?

Eine weitere Art, Wabi-Sabi zu betreiben, ist kaputte Gegenstände zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Erkunden Sie, wie die Reparaturmaßnahmen Teil der Ästhetik werden, und vielleicht sogar den Nutzen des Objektes verbessern. Wir können dabei kintsugi oder eine weitere Methode der ästhetischen Reparatur verwenden.

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3. Mottainai

Ein Ausdruck des Bedauerns über Verschwendung, der großen Einfluss auf die japanische Nachhaltigkeitsbewegung hat.

Was ist Mottainai?

Mottainai“ kann ganz einfach als „Was für eine Verschwendung!“ übersetzt werden. Das Kōjien, das renommierteste Wörterbuch Japans, hat für diesen Begriff verschiedene Definitionen, einschließlich Danksagung, schlechtes Benehmen einer Gottheit gegenüber, und das Bedauern über verschwendetes Potenzial.

Mottainai kann in unterschiedlichen Kontexten benutzt werden:

1.      Wenn etwas noch benutzt werden kann und weggeworfen wird. z. B. Geschenkpapier an Weihnachten wegwerfen, wobei es nächstes Jahr wieder benutzt werden könnte.

2.      Wenn etwas übermäßig gebraucht wurde. z. B. nachtsüber die Heizung laufen lassen und Strom oder Gas verschwenden.

3.      Wenn eine Gelegenheit verpasst wurde. z. B. die Gelegenheit auf eine Geldanlage zu verpassen.

4.      Wenn die eigenen Talente und Fähigkeiten nicht benutzt werden. z. B. ein begabter Musiker sein, der nie sein Instrument übt.

5.      Wenn etwas zu gut ist, um benutzt zu werden. z. B. undankbaren Gästen eine teure Flasche Wein zu servieren.

6.      Wenn etwas Hochwertiges nur zögernd angenommen wird. z. B. Komplimente zurückweisen, weil man sich derer nicht wert fühlt.

Mottainai und Lebensmittelverschwendung

Japanisches Essen wird oft im Sinne von Mottainai zubereitet. Die Verschwendung von Lebensmitteln, die doch in irgendeiner Art und Weise hätten verwendet werden können, ist eine Schande, und stammt aus der Armutsgeschichte des Landes und den Hungersnöten in den ländlichen Orten.

In einem Fischerdorf in Murakami, drei Stunden von Tokyo entfernt, beschreibt Chefköchin Keiko Kuwakino, wie ihre Großmutter sich weigerte „auch nur ein einziges Reiskorn“ zu verschwenden, und Kuwakino und ihre Geschwister an die schwere Arbeit und das Opfer, die der Anbau verlangt, erinnerte.

In Japan haben Chefköche eine Vielzahl an kreativen Methoden kultiviert, um die Lebensmittelverschwendung zu minimieren, wie Gräten in ein geschmackvolles Pulver umzuwandeln, Reisüberreste mit grünem Tee vermischt zu einer leckeren Mahlzeit zu kreieren, und Tierorgane, die sonst weggeworfen werden, mit verschiedenen Gewürzen in einzigartige Gerichte zu verwandeln.

Ein japanischer Händler nutzt Gemüsereste, um Lebensmittelverschwendung im Sinne von Mottainai zu reduzieren
Mottainai fordert zum achtsamen Verbrauch und zur Dankbarkeit für Ressourcen auf

Mottainai praktizieren

Mottainai erfordert eine neue Perspektive im Hinblick auf unsere Beziehung zur Lebensmittelverschwendung, ähnlich wie Wabi-Sabi uns auffordert, Mängel in einem neuen Licht zu sehen. Lebensmittelverschwendung ist nicht nur teuer, sondern schadet auch der Umwelt – Mottainai hilft uns, das zu bekämpfen.

Bedenken Sie, was alles beim Kochen noch benutzt werden könnte. Wenn Ihnen bei einem Rezept Essensreste bleiben (wie z. B. Kartoffelschalen oder Basilikumstängel), recherchieren Sie verschiedene Anwendungsweisen dafür. Ein Komposthaufen eignet sich perfekt für Abfälle, und überschüssige Lebensmittel können an Tafeln in Ihrer Umgebung gespendet werden.  

Entdecken Sie, welche Gelegenheiten sich im täglichen Leben ergeben, Achtsamkeit zu üben. Vergessen Sie nicht: es ist genauso schändlich, etwas ohne jegliche Anstrengung zu tun, wie es aufwendig ist, sich zu sehr anzustrengen und Schaden anzurichten.

2. Kaizen

Kaizen hat einen großen Einfluss auf den Wirtschaftssektor, und wird in japanischen Firmen wie auch weltweit benutzt. Es hat also auch das Potenzial, unser persönliches Leben positiv zu beeinflussen.

Was ist Kaizen?

Kaizen wird grob als „kontinuierliche Verbesserung“ übersetzt, wobei „Kai“ Veränderung bedeutet, und „zen“ Güte.

Seine Ursprünge hat Kaizen im Japan nach dem zweiten Weltkrieg, und verfolgt die gleiche Philosophie der Verschwendungsvermeidung wie Mottaiani, aber in Bezug auf Verbesserung. Firmen, welche die Kaizen-Philosophie anwenden, entdecken, was mit dem Vorhandenen verbessert werden kann, ohne neue Elemente hinzuzufügen. Sie benutzen schon bestehende Ressourcen, um an Effizienz und Qualität zu gewinnen.

Diese 10 Prinzipien machen die Kaizen-Philosophie aus:

  1. Annahmen und Vermutungen vergessen

  2. Proaktives Handeln bei Problemlösung

  3. Fortschritt über den Status quo hinaus

  4. Verzicht auf Perfektionismus, Annahme der kontinuierlichen Anpassung

  5. Fehler und Lösungen nebenher finden

  6. Gestaltung eines gemeinschaftlichen Arbeitsumfelds

  7. Nie das Offensichtliche akzeptieren, stets nach dem Warum fragen

  8. Bei jedem Thema verschiedene Perspektiven entdecken

  9. Kreative Problemlösung ohne Ausgaben

10. Streben nach ständiger Verbesserung

In einem offenen Terminkalender sind Ziele und deren Fortschrittverfolgung, was Kaizen symbolisiert
Kaizen fördert die ständige Selbstverwirklichung, im beruflichen, wie auch im privaten Leben

Kaizen praktizieren

Egal ob bei der Arbeit oder im persönlichen Leben, Kaizen ist eine Philosophie, die bei jeder Aufgabe angewandt werden kann, vor allem, um Verfahrensweisen zu analysieren. Generell ist dabei eine einfache Herangehensweise gefragt:

Was kann ich mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln erreichen?

Hierbei müssen wir unsere Situation kritisch erkunden und uns eine kreative Verbesserungsweise ausdenken. Wir haben das Selbstvertrauen, Sachen zu verbessern, wenn wir unsere Mittel mit guter Absicht anwenden.

Außerhalb des Arbeitsumfeldes kann Kaizen bei großen Projekten, wie Hausrenovierungen, Gartenarbeit, Zeitplanung, und allem anderen, was vorsichtiges Bedenken und kontinuierliche Verbesserung von uns erfordert, verwendet werden.

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5. Ikigai

Eines der beliebtesten japanischen Philosophien ist Ikigai – das Konzept, ein sinn-erfülltes Leben zu führen.

Was ist Ikigai?

Ikigai“ aus dem japanischen übersetzt bedeutet so viel wie „Grund fürs Sein“. Es ist zusammengesetzt aus den japanischen Ausdrücken „iki“ (Leben) und „kai“, als gai ausgesprochen (Resultat/Vorteil).

Generell bezieht Ikigai sich auf etwas im Leben, das einem Freude bringt, wie beispielsweise Freunde, Hobbies, oder die eigene Karriere. Ikigai kann aber auch in den kleinen Dingen im Alltag gefunden werden, wie unserem Frühstück, dem Sudoku-Puzzle, das wir auf dem Weg zur Arbeit fertig gekriegt haben, oder das Gespräch mit einem unserer Liebsten am Ende des Tages.

Wollen Sie wissen, was Ihr momentaner Ikigai-Zustand ist? Unser Test verrät es Ihnen!

Im Buch „Ikigai: Das japanische Geheimnis für ein langes und frohes Leben“präsentieren die Autoren Interviews mit über 100 älteren Einwohnern des Ogimi Dorfes, das für die Langlebigkeit seiner Einwohner bekannt ist.

Durch diese Einblicke werden die Vorteile von Ikigai erkennbar. Als die älteren Ogimi Einwohner nach ihrem Ikigai gefragt wurden, hatten alle konkrete Antworten, egal ob Gartenarbeit, Kunst, oder sich mit Freunden treffen – alle waren täglich aktiv damit beschäftigt, etwas zu kultivieren oder zu verbessern.

Ikigai praktizieren

Um Ikigai zu praktizieren, muss man es zuerst identifizieren. Was erwarten Sie täglich mit Freude? Wer oder was motiviert Sie? Erstellen Sie eine Liste mit Antworten auf diese Fragen und lesen Sie sie jeden Tag durch, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Unser Online-Test kann Ihnen auch helfen Ihr eigenes, einzigartiges Ikigai zu finden.

Entwerfen Sie einen Stundenplan, der Ihnen Zeit für Ihr Ikigai lässt. Stellen Sie sicher, dass es als höchste Priorität gesetzt wird, und machen Sie sich bewusst, dass das bedeutet, andere Dinge aufgeben zu müssen. Damit widmen wir uns komplett der Sache, die uns am wichtigsten ist.

Ein älterer Japaner, der mit einem Lächeln im Garten arbeitet und Ikigai verkörpert
Ikigai hilft auf der Suche nach Freude und Sinn im täglichen Leben

Japanische Konzepte für ein gutes Leben: Ganzheitliche Ansätze

Die in diesem Artikel behandelten Konzepte haben alle einige grundlegende Gemeinsamkeiten. Jede dieser Herangehensweisen beinhaltet:

·       Achtsamkeit

·       Annahme von Unvollkommenheit und Vergänglichkeit

·       Nachhaltigkeit

·       Bewusstes Handeln

Angesichts dieser Gemeinsamkeiten lässt sich sagen, dass uns all diese japanischen Konzepte eine ganzheitliche Herangehensweise für ein erfülltes Leben bieten.

Schöpfen Sie Ihr Potenzial voll aus, um ihren Alltag, Ihre Arbeit, Ihre Beziehungen, und Ihre kreativen Leistungen zu verbessern.

Entdecken Sie Tests und Artikel in unserer Kategorie „Harmonie“, um noch mehr über ein ausgeglichenes Leben zu erfahren.